Wer behauptet, ein Segelboot Refit sei ein romantisches Abenteuer voller malerischer Sonnenuntergänge und dem leisen Plätschern von Wellen, der hat entweder noch nie eine Flex in der Hand gehalten oder lügt sich systematisch in die eigene Tasche. Die Realität eines solchen Projekts sieht meistens eher nach einer Mischung aus Staublunge, akuter Werkzeug-Demenz („Wo zur Hölle ist die 10er-Nuss?!“) und dem permanenten Kampf gegen den drohenden Material-Kollaps aus.

Beim Projekt Sailing Salacia sind wir Meister darin, diesen Zustand der gepflegten Anarchie zu verwalten. Doch selbst die abgehärtetsten Bootsbastler stoßen irgendwann an die Grenzen des physikalisch Machbaren, wenn die eigene Wohnung langsam Ähnlichkeit mit dem Lagerraum eines Schiffsfriedhofs annimmt. Wir brauchten eine Veränderung. Einen Wendepunkt. Oder, um es im modernen Startup-Deutsch zu sagen: Wir brauchten echte Gamechanger.

Und weil wir keine halben Sachen machen, haben wir direkt zwei davon auf einen Streich serviert. Bühne frei für unser neues, fensterloses Hauptquartier aus massivem Stahl und eine Maschine, die bald dafür sorgen wird, dass bei uns kein Stein – oder besser gesagt: kein Krümel Rost – auf dem anderen bleibt.


Gamechanger Nr. 1: Das neue Hauptquartier (Oder: Warum ein Container der neue Luxus ist)

Fangen wir mit dem offensichtlichsten Upgrade an. Wer ein Boot refitten möchte, merkt schnell, dass ein Schiff aus zwei Dingen besteht: dem Boot selbst und den geschätzten zehntausend Einzelteilen, die man ausbauen muss, um an das eigentliche Boot heranzukommen. Bisher war unsere Logistikstrategie eher von der Kategorie „Kreatives Chaos“ geprägt. Werkzeug stapelte sich im Kofferraum, Ersatzteile blockierten den Flur und geschliffene Holzteile wurden im Wohnzimmer zwischengelagert. Gemütlich geht anders.

Die Lösung? Wir haben unter die Großgrundbesitzer gewechselt und uns einen verdammt echten, wunderschönen, absolut wetterfesten Überseecontainer gemietet.

Ja, richtig gehört. Unser neues Hauptquartier ist eine fensterlose Blechkiste. Aber für uns fühlt es sich an wie das Penthouse im KaDeWe. Endlich haben wir Platz für alles. Hier wird ab sofort:

  • Gelagert: Jede Schraube, jede Planke und jedes Kabel hat nun ein festes Zuhause (das wir hoffentlich auch wiederfinden).
  • Gearbeitet: Wir können endlich Dinge reparieren, ohne vorher den Küchentisch evakuieren zu müssen.
  • Geatmet: Okay, die Luft in einem geschlossenen Container im Hochsommer ist ein eigenes Ökosystem, aber zumindest atmen wir hier keinen Schleifstaub neben dem Abendessen ein.

Dieses neue HQ ist das logistische Rückgrat für unser Stahlboot Refit. Kein langes Suchen mehr, kein permanentes Hin- und Herfahren von Material. Wenn wir jetzt das Werkzeug fallen lassen, bleibt es genau dort liegen, bis wir am nächsten Wochenende wiederkommen – sicher behütet von ein paar Millimetern solidem Cortenstahl.


Gamechanger Nr. 2: Die Wunderwaffe von Kleinanzeigen

Wenn man ein älteres Segelboot restaurieren will, gibt es ein Wort, das jedem Eigner kalte Schauer über den Rücken jagt: Rost. Und wenn man ein Stahlboot besitzt, ist Rost nicht nur ein kleiner Schönheitsfehler, sondern der persönliche Endgegner. Wer jemals versucht hat, alten Lack und tief sitzenden Lochfraß mit einer Drahtbürste oder einer handelsüblichen Flex zu Leibe zu rücken, weiß, dass man sich dabei vor allem drei Dinge holt: Muskelkater, Halluzinationen vom Lärm und das deprimierende Gefühl, absolut keinen Fortschritt zu machen.

Hier kommt unser zweiter Meilenstein ins Spiel. Nach wochenlangem, investigativem Scrollen durch die Tiefen des Internets haben wir zugeschlagen. Wir sind nun stolze Besitzer eines gebrauchten Sandstrahlgeräts, geschossen auf Kleinanzeigen.

Der Zustand? Sagen wir mal „charakterstark mit historischer Patina“. Aber das Gerät funktioniert, und das ist alles, was zählt. Für uns ist diese Apparatur kein alter Haufen Metall, sondern die ultimative Wunderwaffe, der Exorzist des Refit-Wahnsinns, der den alten Rumpf der Salacia bald in neuem (metallischen) Glanz erstrahlen lassen wird.


Der Masterplan: Den Rumpf von innen strahlen

Jetzt fragt ihr euch sicherlich: Was wollen die beiden mit einem Sandstrahlgerät in einem Container? Ganz einfach: Das Gerät zieht bald um – und zwar direkt in die Salacia.

Unser aktuelles Zwischenziel beim Segelboot Refit lautet: Salacia muss komplett nackig werden. Und zwar von innen. Jede Verkleidung, jede alte Isolierung, jeder Tropfen modriger Bilgenfarbe aus den letzten Jahrzehnten muss weichen. Wir wollen das nackte, ungeschminkte Metall sehen. Das ist zwar optisch zunächst der absolute Tiefpunkt eines jeden Bootsprojekts (es sieht danach im Grunde aus wie eine schwimmende Mülltonne), aber es ist der einzig richtige Weg.

Sobald die Demontage abgeschlossen ist, schlägt die große Stunde unseres Kleinanzeigen-Schnäppchens. Wir werden den Rumpf von innen strahlen.

Warum ist das Strahlen von innen so wichtig?

  1. Porenfreie Sauberkeit: Nur das Sandstrahlen schafft es, den Rost wirklich porentief aus dem Stahl zu hämmern. Jede Bürste schmiert den Dreck am Ende nur zu.
  2. Die perfekte Basis: Wenn wir danach die neue Beschichtung und die Isolierung aufbauen, müssen wir uns zu 100 % darauf verlassen können, dass darunter nichts mehr gammelt.
  3. Zeitersparnis (theoretisch): Was uns mit der Flex Monate an Nerven und Bandscheiben gekostet hätte, erledigt das Strahlgerät in einem Bruchteil der Zeit. Gut, dafür haben wir danach wahrscheinlich den Sand der Sahara in jeder einzelnen Körperpore sitzen – aber hey, irgendeinen Tod muss man sterben.

Ein riesiger Schritt nach vorn für Sailing Salacia

Mit diesen beiden Errungenschaften fühlt es sich endlich so an, als würden wir die Amateurliga des Bootbastelns hinter uns lassen und mit den großen Jungs spielen. Na ja, zumindest fühlt es sich so an, solange man nicht sieht, wie wir fluchend versuchen, das schwere Sandstrahlgerät unfallfrei zu bewegen.

Der Container gibt uns die Struktur, die wir so dringend gebraucht haben, und das Strahlgerät gibt uns die nötige Feuerkraft, um das Projekt endlich auf die nächste Stufe zu heben. Wir sind verdammt stolz darauf, diesen wichtigen Schritt im Segelboot Refit endlich gehen zu können. Der Weg zur einsatzbereiten Yacht ist zwar immer noch lang, steinig und vermutlich teurer als geplant, aber mit unserem neuen Hauptquartier im Rücken und Sand in den Schuhen hält uns so schnell nichts mehr auf.

Bleibt dran, wenn es demnächst heißt: „Sailing Salacia im Nebel des Grauens – Unser erster Versuch mit dem Sandstrahlgerät.“ Es wird laut, es wird dreckig, und es wird garantiert wieder jede Menge Grund zum Lachen (oder Weinen) geben!