Von der Couch auf den Ozean: Warum wir alles wagen, ohne zu wissen, wie man segelt
We have a dream. Man sagt, die großen Wendepunkte…
Moin moin, liebe Salacia-Fans und Freunde des gepflegten Boots-Chaos!
Schnallt euch an (oder legt die Schwimmwesten an), denn es gibt Neuigkeiten von der „Baustelle“, die andere Leute zärtlich „unser Traumschiff“ nennen. Ich, euer Stefan, war letzten Donnerstag und Freitag wieder im schönen Recke, um unserer Salacia ordentlich auf den Leib zu rücken.
Was als präzise geplanter Arbeitseinsatz begann, endete in einer epischen Schlacht zwischen Mann und Material – oder auch: „Stefan gegen das Sperrholz des Grauens“.
Der eigentliche Anlass für meinen Ausflug war ein Date mit einem Kran. Nein, nicht die Vögel, sondern das große Ding mit dem Haken. Der Mast musste runter.
Wer schon mal versucht hat, einen gefühlte 100 Meter langen (okay, vielleicht etwas kürzer, aber er fühlte sich riesig an) Alustab unfallfrei vom Deck zu heben, weiß: Das ist Nervenkitzel pur. Es ist ein bisschen wie Mikado, nur dass man bei einem Fehler nicht nur die Runde verliert, sondern das gesamte Deckshaus neugestaltet.
Dank guter Vorbereitung und einer ordentlichen Portion Glück glitt der Mast schließlich majestätisch in die Höhe. Die Salacia sieht jetzt obenrum etwas nackig aus – ein bisschen wie ein Cabriolet ohne Windschutzscheibe. Aber hey, Aerodynamik wird sowieso überbewertet, wenn man im Hafen steht, oder?
Der Mast liegt nun sicher im Lager, und ich konnte mich der eigentlichen Aufgabe widmen: Dem kontrollierten Abriss.
Nachdem der Kran weg war, hatte ich Zeit. Viel Zeit. Und eine Mission: Der Deckssalon und die darunter liegende Eignerkabine mussten weiter entkernt werden.
Mein Ziel war klar: Alles raus, was nach 80er-Jahre-Muff oder „das war mal modern“ aussieht. Ich wollte Platz schaffen für Neues, für Licht, für Luxus (oder zumindest für Dinge, die nicht beim scharfen Hinsehen zerbröseln).
In meinem Kopf sah das so aus:
Stefan betritt das Boot.
Stefan zückt seinen treuen Makita Fuchsschwanz.
Die Säge frisst sich wie Butter durch das Interieur.
Stefan trinkt nach zwei Stunden ein kühles Bier und bewundert das leere Boot.
Ich stehe also motiviert im Deckssalon, greife nach meiner Wunderwaffe, dem Fuchsschwanz… und starre in den Koffer. Der Koffer starrt zurück. Er ist leer. Beziehungsweise: Die Säge ist da, aber die Sägeblätter liegen wahrscheinlich noch zu Hause auf der Werkbank und führen dort ein entspanntes Leben ohne Holzkontakt.
Merksatz für alle Hobby-Handwerker: Ein Fuchsschwanz ohne Sägeblatt ist im Grunde nur ein sehr teurer, vibrierender Briefbeschwerer.
Da stand ich nun in Recke. Die Sonne schien, der Staub tanzte in der Luft, und ich hatte nur meine kleine Stichsäge dabei. Für alle Nicht-Handwerker: Das ist so, als würde man versuchen, einen Mammutbaum mit einem Schweizer Taschenmesser zu fällen.
Aber ein Stefan gibt nicht auf. Wenn der Fuchsschwanz streikt, muss die Stichsäge eben Überstunden schieben. Und Junge, das hat sie getan!
Ich habe mich durch Schichten von Holz, Laminat und Dämmmaterial gekämpft, die teilweise so fest verbaut waren, als hätten die Vorbesitzer Angst gehabt, das Boot würde sich bei Wellengang spontan auflösen.
Der Deckssalon: Hier flog alles raus, was keine tragende Funktion hatte. Die Stichsäge glühte, ich schwitzte, und der Staubsauger gab irgendwann ein resigniertes Röcheln von sich.
Die Eignerkabine: Eine Etage tiefer wurde es richtig gemütlich. Also, „gemütlich“ im Sinne von „ich liege in einer Staubwolke auf dem Boden und versuche, eine Wandverkleidung wegzusägen, die sich mit Händen und Füßen wehrt“.
Es ist erstaunlich, wie viel Holz in so ein Boot passt, wenn man es erst einmal in kleine Stücke zerlegt. Am Ende sah ich aus wie ein wandelnder Sägespäne-Haufen, aber der Fortschritt war unübersehbar.
Manchmal stehe ich inmitten dieses Chaos, blicke auf die nackten GFK-Wände und frage mich: „Stefan, hättest du nicht einfach ein Hobby wie Briefmarkensammeln wählen können?“
Aber dann erinnere ich mich an das Gefühl, wenn die Salacia irgendwann wieder schwimmt. Wenn alles neu ist, wenn die Eignerkabine nicht mehr nach „Abrissbirne“, sondern nach „Fünf-Sterne-Koje“ aussieht. Der Weg dahin führt eben über den Staub von Recke und über Sägeblätter, die man vergisst.
Trotz der Material-Sabotage bin ich am Ende des Freitags extrem zufrieden gewesen.
Mast? Unten.
Interieur? Großflächig evakuiert.
Stichsäge? Braucht jetzt wahrscheinlich eine Kur in Bad Oeynhausen.
Stefan? Müde, staubig, aber glücklich.
Die Salacia atmet jetzt tief durch. Ohne Mast und ohne den alten Ballast im Inneren fühlt sie sich bestimmt schon 200 Kilo leichter (ich mich nach dem Schwitzen übrigens auch).
Die nächsten Schritte sind bereits geplant – und diesmal schreibe ich mir „SÄGEBLÄTTER“ mit Edding auf die Stirn, bevor ich losfahre.
Bootfahren ist schön. Bootbauen ist Charakterbildung. Und Recke ist immer eine Reise wert – auch wenn man die Hälfte seines Werkzeugs vergisst.
Wir halten euch auf dem Laufenden! Bleibt uns treu, seid gespannt auf die Bilder und drückt der Stichsäge die Daumen, dass sie sich wieder erholt.
Ahoi und bis bald, Euer Stefan